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Bericht des Oberbürgermeisters Tobias Schick vor der 21. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 27. Mai 2026

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete, verehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Cottbuserinnen und Cottbuser,

unsere Stadt Cottbus/Chóśebuz in der Tabelle auf den vorderen Plätzen – von solchen Nachrichten sind wir in der Vergangenheit nicht eben verwöhnt worden. Jetzt aber doch:
Der FC Energie Cottbus ist in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Das ist ein bewundernswertes Gemeinschaftswerk des Vereins und seiner Partner. Diese gemeinsame Lösung hat Kraft und Mut erfordert. Wir dürfen der Vereinsführung um Präsident Sebastian Lemke, wir dürfen der Mannschaft und dem so genannten Staff um Pele Wollitz herzlich dankbar sein. Ich will aber auch die phänomenalen Fans nicht vergessen. Es ist ja kaum mehr zu toppen, dass 8.000 Fans nach Regensburg fahren, um die Mannschaft dort zu unterstützen. Und was dann hier los war, war einmal mehr beeindruckend. Nicht zuletzt gilt mein Dank allen beteiligten Polizei- und Ordnungskräften, die die Sicherheit rund um das Stadion ebenso gewährleiten wie sie mit einer funktionierenden Deeskalationsstrategie die Feierlichkeiten begleitet haben.

Gemeinsam mit dem Verein geht nun der Blick nach vorn. Für die Mission Klassenerhalt wird der Trainingsplatz an der Parzellenstraße den Mannschaften zur Verfügung stehen. Im Leag Energie Stadion gibt es die ersten Umbaumaßnahmen. Wir haben mit Martin Heusler, dem neuen Landrat des benachbarten Landkreises Spree-Neiße, die Absprache, dass wir gemeinsam mit dem Verein sowie Partnern in eine Betreibergesellschaft für das Stadion gehen. Ich gehen davon aus, dass diese zum Jahresende entsteht und das Stadion betreibt. Damit schaffen wir eine wesentliche Voraussetzung für die Stadion-Zukunft, ganz gleich, ob bei der nun beauftragten Studie am Ende Sanierung oder Neubau herauskommen wird. Und nur so kommen wir an die für den Bau notwendigen Fördermittel von Bund und Land.

Sportlich freue ich mich auf Derbys gegen Hertha, gegen Petrik Sanders 1. FC Magdeburg, gegen Dynamo Dresden oder auch Spiele gegen Traditionsclubs aus Kaiserslautern, Nürnberg oder Bochum.

Und ich will noch hinzufügen: Es muss niemand befürchten, dass sich die Stadtverwaltung nun nur noch um den FC Energie kümmert. Wir haben ca. 1,7 Millionen Euro vom Land im Umlauf für 11 Projekte, die mit dem Goldenen Plan Brandenburg für den Sport umgesetzt werden. Jüngst war ich auf dem Lausitz-Velodrom im Sportzentrum, um mich über die Sanierung des Belages zu informieren, die Trampolinhalle wächst, der barrierefreie Ausbau des Sportzentrums nimmt planerisch Gestalt an. Auf allen Plätzen und in den Sporthallen ist Spielbetrieb, Training, Vereinsleben.

Das Auftreten und die Ergebnisse des FC Energie passen perfekt zu unserem Selbstverständnis als Boomtown. Cottbus/Chóśebuz ist die dynamischste Stadt Deutschlands. Das hat uns das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln dieser Tage bescheinigt. Wir liegen im so genannten Dynamikranking der Untersuchung auf Platz 1. Im Niveauranking ist Cottbus/Chóśebuz laut IW-Untersuchung immerhin auf Rang 8 im Osten Deutschlands zu finden. Ich könnte auch sagen: Strukturwandel wirkt. Wir können uns bestätigt fühlen. Wir können uns bestärkt fühlen. Wir können weitermachen.

Die Ansätze des Strukturwandels mit dem Bahnwerk oder der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem sind die Richtigen, unser gemeinsames Mühen fruchtet. Eine solche Platzierung ist – selbst wenn das immer Momentaufnahmen sind – ein Fingerzeig, dass wir zuversichtlich den Weg weiter gehen sollten. Denn Arbeit bleibt noch genug.

Das zeigen die einzelnen Parameter. Im so genannten Niveauranking der IW-Untersuchung liegen wir auf Platz 158 von insgesamt 400 aufgelisteten Städten und Landkreisen. Im Osten aber ist das hinter den Städten und Landkreisen des Berliner Speckgürtels sowie der Stadt Dresden der 8. Rang! Das sollte Ansporn für unsere Boomtown, aber auch die pragmatische Lösung der alltäglichen Aufgaben sein.

Diese Analyse ist eine Ermutigung, die Cottbuserinnen und Cottbuser weiter einzubeziehen. Denn viele haben in den Jahren nach 1990 einen Strukturbruch erfahren müssen, der vor allem langfristig Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und die Empathie von Politik verspielt hatte. Dieses Vertrauen wollen wir zurückgewinnen, und das mit Ergebnissen, wie sie mit dem Bahnwerk stehen, der MUL CT im Aufbau sind, am Ostsee zu erkennen und im Lausitz Science Park zumindest schon mal die planerische Phantasie anregen.

Der Strukturwandel ist trotz aller Schmerzen des Kohleausstiegs ein Glücksumstand für Stadt und Region. Das wird auch so bleiben, wenn wir beharrlich die Vorhaben planerisch und mit der Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger steuern und gestalten. Es ist wichtig, dass Bund und Land die notwendigen Mittel zur Abfederung des Kohleausstiegs und der Neuausrichtung der Region dankenswerterweise stabil bereitstellen. Wir reden von Investitionen in Höhe von 6 Milliarden Euro allein in der Stadt. Neben vielen anderen Faktoren hat mich vor allem gefreut, dass wir schon jetzt vor allem mit der Lebensqualität punkten. Damit sollten wir nicht hinterm Berg halten.

Und so freue ich mich, dass zur Definition von Cottbus/Chóśebuz als spannender Stadt nun auch mit Fug und Recht gesagt werden kann, dass wir eine höchst dynamische Stadt sind. Das gefällt nicht allen, und mancher will solche Fortschritte auch nicht sehen. Oder sie klein machen. Wir mussten in den zurückliegenden Wochen mehrfach erleben, wie sich mutmaßlich Rechtsextremismus ins Stadtbild mogelt und wie Bedrohung und Drangsal aus gleicher Ecke sein hässliches Gesicht zeigten.

Wir sind ja gerade schon auf die Anfragen der Fraktion Die Linke zum erstarkenden Rechtsextremismus eingegangen. Wir haben viele Gremien, Gesprächsrunde, Formate und nicht zuletzt Aktive zu dem Thema, wir sind in Kontakt miteinander. Wir stehen an der Seite der bedrohten Personen, und wir stehen an der Seite der Jüdischen Gemeinde, deren Synagoge einschlägig beschmiert worden ist.

Jede dieser Taten ist eine Schandtat. Wir verurteilen sie und wir erwarten eine konsequente Ermittlungsarbeit sowie eine spürbare Ahndung von Straftaten. Ich will noch hinzufügen, dass wir bei dem Thema nicht locker lassen werden. Allerdings sind Sozial- und Bildungsarbeit leider keine Allheilmittel, denn das wird seit vielen Jahren in anerkennenswertem Engagement betrieben. Dennoch stellt sich auch da die Frage, ob das alles so wirkt, wie wir uns das wünschen? Reicht es aus, mehr Geld in bestehenden Strukturen zu geben? Brauchen wir neue Ansätze, wie auch immer diese aussehen könnten? Wie begegnen wir Extremismus jedweder Art, ohne den einen zu überhöhen oder den anderen zu vernachlässigen? Ich habe keine fertigen Antworten.
Wo wir ansetzen können, ist mehr Miteinander in unserer Stadt. Mehr Zuwendung für die, die sie brauchen. Ohne das gleich und zuerst Geld benötigt wird oder eine weitere Koordination von Strukturen aufgebaut werden muss. Hilfe in der Nachbarschaft, Unterstützung in der Kita oder im Hort, in Schulen oder nach dem Unterricht, Gemeinsamkeit im Bürgerhaus oder im Vereinstreff. Konkret: Senioren lesen Kindern vor, Kundige zeigen, wie man sein Rad schnell selbst reparieren kann und vieles mehr. Wir wollen so Einsamkeit begegnen, Überforderung abbauen und ermöglichen, was wir kaum finanziert bekommen. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. In Summe heißt das dann eben Miteinander fürs Miteinander. Neben der BTU Cottbus-Senftenberg sind der Kinder- und Jugendbeirat sowie der Seniorenbeirat mit im Boot. Gut 37.000 Menschen in unserer Stadt sind 65 Jahre und älter. Wir haben so viel Lebenserfahrung, so viel Wissen, so viele Kenntnisse und Fertigkeiten gerade in der Generation 60 oder 65plus. Die müssen nicht brach liegen. Wir greifen diese Anregung aus der BTU Cottbus-Senftenberg gern auf, und ich bitte auch Sie, die Sie am besten wissen, wie Ehrenamt geht, diesen Aufruf zu verbreiten.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich weiß nicht, wer bemerkt hat, dass wir in der vergangenen Woche einen Meilenstein passiert haben. Wo Universitäten, Bahnwerk oder Institute unsere wachsende Stadt prägen – ohne Strom geht heute nichts mehr. In Ströbitz ist eine wichtige Schaltstation des neuen Netzes in Betrieb genommen worden, allein das waren Investitionen von ca. 7 Millionen Euro. So werden wir den kommenden Anforderungen gerecht werden. Es ist schon beeindruckend zu sehen, dass von ca. 40 Millionen Euro für den Netzausbau bereits drei Viertel verbaut sind. Sicher, momentan „bezahlen“ wir das mit oft nervigen Baustellen und Umleitungen. Was die Stadtwerke und die Tochter EVC hier bislang geleistet haben, verdient großen Dank.

Sehr geehrte Damen und Herren,
unter den Stichworten Energie und Strom ist es nicht weit bis Hans Scheuerecker. Im August wird der Cottbuser Künstler 75 Jahre alt. Seit 1971 ist er Cottbuser, also seit 55 Jahren. Aus diesem schönen Anlass erfährt er eine nunmehr angemessene Würdigung seines Schaffens in gleich drei Ausstellungen. Sie werden am morgigen Donnerstag in der Kunsthalle Lausitz sowie der Alten Segeltuchfabrik sowie am Freitag in unserem Dieselkraftwerk, dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst eröffnet. Scheuerecker ist das Energiebündel der Cottbuser Kunst-Szene, oder, wie es in einer Ankündigung heißt, die „Cottbuser Kunstszenegröße“. Vielen von uns begegnet er täglich – beispielsweise in der Sprem mit der „Skulptur 2000“, an manchen Baustellengerüsten als Plane oder aber im Rathaus am Neumarkt im immer wieder originellen Foyer. Hans Scheuerecker hat viele Spuren in der Stadt gezogen – von hinterlassen möchte ich noch nicht reden – und er wirkt weiter.
Das Motto, das für die Würdigung in der Kunsthalle Lausitz gewählt wurde, gefällt mir für unsere Stadt auch ganz gut: Unangepasst. Unverkennbar.

Zugleich können wir stolz sein, dass das Staatstheater Cottbus mit der Inszenierung des „Hauptmann von Köpenick“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Das ist gewissermaßen die erste Liga der Theaterszene. Unsere Zuwendungen machen sich „bezahlt“, wenn ich das mal so formulieren darf. Nicht zuletzt haben die Künstlerinnen und Künstler dies am Pfingstwochenende bei „Carmina Burana“ in Branitz einmal mehr eindrucksvoll bestätigt. Und schon winken das erste Spree-Konzert und die Walzernacht.

Keine Angst, ich werde jetzt nicht alles aufzählen, was der eine oder andere möglicherweise über das Pfingstwochenende verpasst hat, sei es beim Reit- und Springturnier in Sielow, beim Willkommensfest Kléb a Sol, bei der Nacht der offenen Kirchen oder beim Mühlentag. Ich möchte Sie, liebe Cottbuserinnen und Cottbuser, verehrte Gäste unserer Stadt, aber gern einladen in einen proppevollen Juni, der bereits Ende Mai beginnt.

Ich freue mich über eine besondere Anerkennung der Arbeit mit und für Seniorinnen und Senioren in unserer Stadt. Die brandenburgischen Seniorenwochen werden am Sonnabend hier in Cottbus/Chóśebuz offiziell eröffnet. Der Ministerpräsident folgt meiner Einladung nach Cottbus/Chóśebuz genauso wie der Sozialminister. In der Lausitz Arena gibt es einen Markt der Möglichkeiten, und es liegt nahe, dass das natürlich auch Anregungen für das Miteinander fürs Miteinander sein werden.
Daran schließen sich viele Höhepunkte an in unserer internationalen Stadt. Was Sie nicht verpassen sollten: den Modellstadtrundgang, die Umweltwoche, die Präventionswoche, den Veteranentag, die Ostsee-Sportspiele als sportlichen Höhepunkt und geselliger Treff Gleichgesinnter. Das Bürgerfest in Sachsendorf, noch so eine schöne Tradition. Natürlich das Stadtfest, darin eingebettet sowohl das sorbisch-wendische Fest, das deutsch-polnische Fest „Wein und Kulinarik“, dazu traditionell Cottbus open. Bei keinem dieser Anlässe wollen wir vergessen, dass die Veranstalter – soweit sie Profis ihres Metiers sind – in vielfältiger Weise von Ehrenamtlern unterstützt werden. Das ist gelebtes Miteinander fürs Miteinander.

Leider gibt es auch nachdenklich stimmende Momente: Die Amokfahrt von Leipzig ist uns Mahnung, beim Stadtfest und bei allen anderen Anlässen alles Erdenkliche und alles Notwendige für die Sicherheit zu tun. Auch wenn Leipzig einmal mehr zeigt, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Trotzdem werden wir uns das Feiern und das Beisammensein nicht verderben lassen.

Wir hatten zudem im Mai einen guten Austausch mit dem Arbeitskreis christlicher Kirchen hier in Cottbus/Chóśebuz. Auch im Stadtkonvent gab es eine ermutigende Solidarisierung mit den Opfern der extremistischen Taten und ein deutliches Beistandsbekunden für die Jüdische Gemeinde. Ein weiteres Ergebnis ist übrigens, dass sich die christlichen Kirchen künftig noch stärker beim Stadtfest engagieren wollen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich will abschließend nochmals zum Miteinander zurückkommen. Ilse Park, eine unserer ersten Mitstreiterinnen, hat gestern bei der Vorstellung der Aktion vor den Medien einen wichtigen, einen prägenden Satz gesagt, den ich gern zitiere: „Bin ich bereit zu geben, ohne etwas dafür zu bekommen?“ Diese Frage mag sich jede und jeder selbst stellen, wenn es um den Zusammenhalt in unserer Stadt geht. Vor allem, aber nicht nur mit Blick auf den Internationalen Kindertag am kommenden Montag wünsche ich mir, dass sie möglichst viele mit „bereit“ beantworten. Bis zum Ehrenamt ist es dann nur noch ein Katzensprung. Dann wären wir alle miteinander ein Stück weiter.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.