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Bildungswochen in Cottbus/Chóśebuz beschäftigen sich mit „Lebensentwürfen in Freiheit und Unfreiheit“

Wie frei sind Menschen in ihren Entscheidungen? Wie prägen Diktaturen, politische Gewalt, Ausgrenzung und gesellschaftliche Umbrüche persönliche Lebenswege? Und was können wir aus vergangenen Erfahrungen für unsere demokratische Gegenwart lernen? Diesen Fragen widmen sich in Cottbus/Chóśebuz vom 02.11. bis 16.11.2026 die fünften Themenwochen der AG Politische Bildung unter dem Titel „Lebensentwürfe in Freiheit und Unfreiheit“.


Mit einem vielfältigen Programm aus Podiumsgesprächen, Filmvorführungen, Ausstellungen, Workshops, Gedenkveranstaltungen und persönlichen Begegnungen lädt die AG Politische Bildung (ein Zusammenschluss aus Einrichtungen und Initiativen) zur Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart ein.


Die Themenwochen stehen für Kontinuität und Weiterentwicklung. Die AG Politische Bildung wurde 2021 gegründet, die erste gemeinsame Themenwoche fand 2022 unter dem Titel „Unter der Oberfläche – Aufarbeitung von DDR-Unrecht“ statt. 2023 folgten die „Facetten geschlossener Gesellschaften“, 2024 die „Facetten offener Gesellschaften“ und 2025 die „Zärtlichkeit der Demokratie“. Was als gemeinsamer Versuch begann, unterschiedliche Ansätze miteinander zu verbinden, ist zu einem festen Ort des Dialogs und der Auseinandersetzung geworden. Demokratiebildung, historische und archivpädagogische Bildung sowie Aufarbeitungs- und Gedenkstättenpädagogik finden hier zusammen.


2026 rücken besonders die Menschen und ihre individuellen Lebensgeschichten in den Mittelpunkt. Ihre Erfahrungen zeigen, wie politische Systeme persönliche Entscheidungen beeinflussen, wie Menschen auf Unrecht reagieren und wie die Folgen von Verfolgung, Krieg und Ausgrenzung über Generationen nachwirken.


Ein besonderer Schwerpunkt ist die enge Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Cottbus – Festival des osteuropäischen Films. Film wird zum Ausgangspunkt für politische Bildung, historisches Lernen und den Austausch über gesellschaftliche Erfahrungen in Deutschland und Osteuropa. Vorführungen und Gespräche eröffnen Zugänge zu Erinnerung, Widerstand, staatlicher Repression und individueller Freiheit – etwa mit dem Dokumentarfilm „Memorial Liquidation“ über die Zerschlagung der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial. Aber auch der Dokumentarfilm I SAW A ‚SUNO‘ von Katalin Bársony, der sich mit den Folgen von Abschiebung, Migration und gesellschaftlicher Ausgrenzung auseinandersetzt.


Besondere Höhepunkte sind in diesem Jahr:


Eröffnung am 2. November – Um 18:00 Uhr diskutieren Gäste aus Wissenschaft, Kultur und Gedenkstättenarbeit in der Theaterkantine Tellheim des Staatstheaters Cottbus unter dem Titel „Grenzverschiebungen in der Erinnerungskultur. Deutsche und osteuropäische Perspektiven“, wie gesellschaftliche Umbrüche unser Erinnern prägen.


Landesgedenken am 9. November – Um 17:00 Uhr erinnert die zentrale Veranstaltung des Landes Brandenburg im Jugendkulturzentrum Gladhouse an den Mauerfall 1989 und die Friedliche Revolution (geschlossene Veranstaltung). Anschließend greift das Filmgespräch zu „Tamara“ generationenübergreifende Erfahrungen der deutschen Teilung auf. Der 9. November ist zugleich Anlass für das Gedenken an die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938 für alle Interessierte offen, um Anmeldung wird gebeten.

„Die letzte Adresse“ am 12. November – Um 14:00 Uhr wird in der Sielower Landstraße 101 eine Gedenktafel für Roland Kurtze angebracht, der durch den sowjetischen Geheimdienst verhaftet, verurteilt und hingerichtet wurde. Sein Schicksal erhält damit einen sichtbaren Ort in der Stadt.


Zeitzeugentruck „In Echt?“ am 9. November – Auf dem Vorplatz der Oberkirche St. Nikolai ermöglichen Virtual-Reality-Erfahrungen Begegnungen mit fünf jüdischen Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung. Ergänzende Schulworkshops sind in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus vorgesehen.

Fachtag „Außerhalb der Norm“ am 16. November – Stadtmuseum und Menschenrechtszentrum beleuchten die Verfolgung als „Asoziale“ in zwei Diktaturen. Ein Fachtag und eine öffentliche Abendveranstaltung mit Betroffenen und Angehörigen verbinden wissenschaftliche Aufarbeitung und persönliche Perspektiven.


Die Themenwochen zeigen, wie vielfältig politische Bildung in Cottbus aufgestellt ist. Museen, Gedenkstätten, Kultur- und Bildungseinrichtungen, zivilgesellschaftliche Initiativen und öffentliche Institutionen schaffen gemeinsam Orte des Austauschs. Die Auseinandersetzung mit Geschichte gilt dabei nicht nur der Vergangenheit: Sie hilft, Freiheit, Menschenrechte und demokratisches Zusammenleben heute bewusst zu gestalten.

Das vollständige Programm mit Veranstaltungsorten, Teilnahmebedingungen und Anmeldemöglichkeiten ist auf der Internetseite der Stadt Cottbus/Chóśebuz unter „AG Politische Bildung“ veröffentlicht: https://cottbus.de/verwaltung/ob/buero/fb-15-bildung-und-integration/bildungsbuero/gremien/ag-politische-bildung/