Zum Inhalt springen
Sorbisch-Übersetzung via Sotra: Erstübersetzung dauert 1–2 Min. (Limit bei Überlänge)
Ausstellung

Vor dem Krieg

📅 13.06.2026 🕐 12:00 Uhr 📍 Galerie MA/RIE/MIX 23, Cottbus

Teheran hat mir Leben gegeben. Die Straßen, die langen Spaziergänge, die Geräusche, die Unruhe, die Mauern, die Gesichter und jene alltäglichen Momente, die manchmal bedeutungslos wirkten, sind Teil meines Gedächtnisses geworden. Doch so wie ein Zuhause und eine Familie zugleich Schutz und Wunde sein können, ist auch ein Herkunftsort nicht nur der Ort, an dem man geboren wurde. Er gibt einem Leben – und hinterlässt zugleich sein eigenes Trauma. Iran war für mich immer von dieser Ambivalenz geprägt: ein Ort, den ich verlassen habe und nach dem ich mich dennoch sehne; ein Ort, den ich geliebt habe, an dem ich gelitten habe, vor dem ich geflohen bin – und dessen Name trotzdem noch immer etwas in mir erschüttert. Teheran ist für mich nicht nur eine Stadt. Es ist ein Geflecht aus Erinnerungen, Angst, Liebe, Wut und Sehnsucht. Diese Fotografien sind vor dem Krieg entstanden. Damals waren sie für mich Bilder von den Straßen Teherans: Aufnahmen eines Alltags in einer Stadt, die ich nicht lieben konnte und von der ich mich doch nicht vollständig lösen konnte. Im Krieg aber hat sich ihre Bedeutung verändert. Was in diesen Bildern zu sehen ist, ist nicht mehr nur eine Straße, eine Wand, ein Augenblick oder ein flüchtiges Vorübergehen. Es sind Spuren einer Zeit geworden, die nicht mehr existiert – Zeichen einer Welt, die vor einem tiefen Bruch festgehalten wurde.
Wir glaubten, wenn wir gehen würden, könnten wir vielleicht ein neues Leben beginnen: fern von diesem Druck, dieser Angst und dieser Erschöpfung. Wir fanden einander, überquerten Grenzen und versuchten, an einem anderen Ort von vorn anzufangen. Doch der Krieg veränderte alles, selbst aus der Ferne. Erfahrungen veränderten sich. Traumata veränderten sich. Und wir, die vor dem Krieg gegangen waren, begriffen plötzlich, dass wir nicht einmal mehr zu dem Ort, aus dem wir kamen, auf dieselbe Weise gehörten wie zuvor. Diese Fotografien zeigen ein Land, das mir Leben gegeben und mich zugleich verwundet hat. …
Diese Bilder wurden vor dem Krieg aufgenommen;
doch heute, im Krieg, blicke ich auf sie.

Rouzbeh Fouladi
Aus seinem Künstlerischen Statement

 

Geöffnet: Mittwoch 17 bis 20 Uhr / Donnerstag und Freitag 19 bis 22 Uhr / Samstag nach Vereinbarung (0162 / 7723232)

🔗

Event teilen