Ein Pfirsichbaum aus Montreuil wächst künftig im Branitzer Park: Mit seiner gemeinsamen Pflanzung im wiederhergestellten Frühbeethof der Schlossgärtnerei haben Bürgermeister Patrice Bessac und Oberbürgermeister Tobias Schick am Freitag, 23.10.20265, die seit 1959 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Montreuil und Cottbus/Chóśebuz feierlich bekräftigt. Zugleich wurden die Kooperationsvereinbarungen mit Montreuil sowie der italienischen Partnerstadt Grosseto unterzeichnet.
Neben der Partnerschaft mit Zielona Góra ist die Zusammenarbeit mit Montreuil sehr eng. Themen wie Jugendbegegnungen – zuletzt das InterTwined-Festival am Piccolo-Theater -, aber auch Stadtentwicklung, Sport, Integration und kulturelles Erbe stehen im Mittelpunkt.
Die Partnerschaft mit Grosseto ist 1967 besiegelt worden. Nach Jahren eher verhaltender Kontakte sind diese in diesem Jahr wieder intensiviert worden. So gibt es erste Austausche zwischen Schulen, sportliche Begegnungen werden geplant, und eine Gruppe Italienisch-Lernender der Volkshochschule fährt – unterstützt durch das Erasmus+-Programm – demnächst in die Partnerstadt.
Oberbürgermeister Tobias Schick: „Die Partnerschaft mit Montreuil wird buchstäblich Früchte tragen. Ähnlich wie mit dem polnischen Zielona Góra und dessen Weintradition verbindet uns aber nicht nur Kulinarisches. Es sind Freundschaften aus den Partnerschaften gewachsen, die für Verständigung, Friedenswillen, Gemeinsamkeit und Freude am Leben stehen. Das bekräftigen wir mit dem trinationalen Treffen, bei dem ich mich sehr freue, Gäste aus Grosseto begrüßen und die Partnerschaft wieder aufleben lassen zu können.“
Bürgermeister Patrice Bessac, Montreuil: „Die Partnerschaft, die uns seit 1959 mit Cottbus verbindet, leistet einen wichtigen Beitrag zur Kultur des Friedens – insbesondere durch die gemeinsamen Aktivitäten junger Menschen aus unseren beiden Städten. Denn genau das macht Frieden im Kern aus: einander kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und menschliche Beziehungen zu schaffen, die auf gegenseitigem Verständnis beruhen.“
Fausto Turbanti, Vorsitzender des Stadtrats von Grosseto: „Die Städtepartnerschaft zwischen Grosseto und Cottbus stellt einen wertvollen Schatz an Freundschaft und Zusammenarbeit dar, der unseren Gemeinschaften weiterhin Begegnungen und neue Perspektiven ermöglicht. Gemeinsam mit dem Bürgermeister Antonfrancesco Vivarelli Colonna glauben wir an internationale Beziehungen, die über ihren institutionellen Wert hinausgehen. Sie fördern den kulturellen Austausch, Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen und gemeinsame Projekte, die die Identität und die besonderen Stärken unserer Städte hervorheben.“
Dr. Stefan Körner, Vorstand der Stiftung: „Mit dem Pfirsichbaum aus Montreuil erhält die seit 67 Jahren bestehende Städtepartnerschaft im Branitzer Park ein lebendiges Symbol. Im wiederhergestellten Frühbeethof wachsen französische Obstbaukunst, Fürst Pücklers Gartenerbe und deutsch-französische Freundschaft zusammen. Pückler wäre entzückt!“
Die Gäste trugen sich anschließend im Grünen Saal des Schlosses Branitz in das Goldene Buch der Stadt Cottbus/Chóśebuz ein.
Hintergrund I: Von Montreuil über Babelsberg nach Branitz
Die wiederhergestellten Lehmmauern des Branitzer Frühbeethofes veranschaulichen eine jahrhundertealte Verbindung europäischer Gartenkunst: von den berühmten Pfirsichmauern Montreuils über die Lepèreschen Obsttreibmauern in Preußen bis zu Fürst Pücklers Branitzer Parklandschaft. Ein bedeutendes Zeugnis dieser deutsch-französischen Gartenkultur ist der 1853/54 angelegte Frühbeethof der Branitzer Schlossgärtnerei zwischen Ananashaus und alter Baumuniversität, den Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) anlegen ließ. Die 2026 nach historischem Vorbild wiederhergestellten Stampflehmmauern in der sogenannten Pisé-Bauweise verweisen auf die berühmten Murs à pêches von Montreuil. Dort entstanden seit dem 17. Jahrhundert kilometerlange Mauersysteme, die Sonnenwärme speicherten, die Spalierbäume vor Wind und Kälte schützten und den Anbau wärmeliebender Pfirsiche ermöglichten.
Der französische Obstzüchter Alexis Lepère der Jüngere (1823–1896) brachte dieses gärtnerische Wissen aus Montreuil nach Preußen, wo er 1863 im Auftrag des preußischen Königspaares entsprechende Obsttreibmauern im Babelsberger Park anlegte, für dessen Gestaltung damals wiederum Pückler verantwortlich war. Die Mauern von Montreuil, Babelsberg und Branitz stehen damit für eine gemeinsame europäische Tradition gärtnerischer Innovation: die gezielte Nutzung von Sonnenwärme, natürlichen Baustoffen und geschützten Kleinklimazonen für die Pflanzenkultur.
Der Frühbeethof in Branitz dient ab sofort wieder der Anzucht historischer Nutz- und Zierpflanzen. Obst, Gemüse und Kräuter werden hier kultiviert und ihre Pflege anschaulich vermittelt. Kinder der Fröbel-Kindergärten Cottbus übernehmen Patenschaften für Pflanzen in den Frühbeetkästen und gestalten so das grüne Kulturerbe des Branitzer Parks mit. Die Fröbel-Kinder begleiten die Veranstaltung im Rahmen der langjährigen Kooperation zwischen der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz und der Fröbel-Gruppe. Diese Zusammenarbeit knüpft an die historische Freundschaft zwischen Fürst Pückler und dem Kindergarten-Pionier Friedrich Fröbel an und fördert insbesondere die inklusive sowie praxisnahe Bildung im Garten. In der Gärtnerei werden die Kinder selbst aktiv, erkunden den Frühbeethof und erhalten einen spielerischen Einblick in gärtnerische Arbeit und nachhaltigen Umgang mit Natur und Pflanzen.
Als Teilprojekt der neuen Branitzer Baumuniversität wurde der Frühbeethof durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Seine Wiederherstellung verbindet historische Gartenbautechniken mit aktuellen Fragen nachhaltiger Pflanzenproduktion und Klimaanpassung.
Es entstanden zwei Reihen massiver Frühbeetkästen. Während die Kästen selbst in Beton ausgeführt wurden, orientieren sich ihre hölzernen Abdeckungen an historischen Vorbildern. Ergänzt werden sie durch hölzerne Pflanzspaliere für Aprikosen und Pfirsiche sowie zwei Mauern mit Toren und Pfeilern, die auf Grundlage gartenarchäologischer Grabungen ermittelt wurden und außen mit wildem Wein berankt werden.
Hintergrund II: Jugendbegegnung beim trinationalen Treffen
18 Jugendliche aus den Cottbuser Partnerstädten Montreuil (Frankreich) und Grosseto (Italien) sind mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks vom 20.10. bis 25.10.2026 zu Gast in Cottbus/Chóśebuz . Sie treffen auf 12 Cottbuser Jugendliche, um in einer internationalen Jugendbegegnung eine Woche gemeinsam die Stadt zu erkunden, Workshops durchzuführen und Freundschaften zu knüpfen. Neben einer gemeinsamen Fahrt zum Bundestag wird ein weiteres Highlight die Austragung des 1. Cottbuser Städtepartnerschafts-Street-Soccer-Cup am 24.10. auf dem Montreuiler Platz sein. Ein weiterer Höhepunkt wird die 2. French Night, diesmal mit „Italian Flair“, denn die Stadt Cottbus/Chóśebuz hat zeitgleich eine Delegation aus der italienischen Partnerstadt Grosseto zu Gast. Beginn ist um 21:00 Uhr im Gladhouse.
Der Besuch der Delegation aus Grosseto soll zum Anlass genommen werden, die Verbindung zwischen Cottbus/Chóśebuz und Grosseto wieder zu stärken. Aus diesem Grund wird der, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Cottbus/Chóśebuz, Tobias Schick, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnen.
Der Delegationsbesuch aus Montreuil sowie die 2. French Night werden durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds unterstützt, der deutsch-französische Projekte finanziert, die einander näherbringen und Begegnungen über Generationen und Grenzen hinweg ermöglichen.
Cottbuserinnen und Cottbuser sind herzlich dazu eingeladen, den 24.10.2026 gemeinsam mit den Jugendlichen und den Delegationen auf dem Montreuiler Platz und am Abend im Gladhouse zu verbringen.
Service/Termine:
24.10.2026
Montreuiler Platz
10:00 Uhr – 1. Cottbuser Städtepartnerschafts-Street-Soccer-Cup
13:30 Uhr – Siegerehrung und Einweihung des Montreuiler Platzes
Gladhouse
21:00 Uhr – 2. French Night (bis 22:00 Uhr Eintritt frei)