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Aufruf des Verein Riebeckstraße 63 e.V. – Zwangseinweisungen in sog. Tripperburgen der DDR

Geschlossene Venerologische Stationen, alltagssprachlich auch »Tripperburgen« genannt, befanden sich in fast jedem Bezirk der DDR. Offiziell zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten gegründet, zeigen die Einweisungsgründe und Statistiken, dass die Stationen einem anderen Zweck dienten: Der Disziplinierung und Bestrafung von Frauen deren Verhalten nicht der »sozialistischen Persönlichkeit« entsprach.
Sicherheitsbehörden wiesen hier meist junge Frauen ohne gesetzliche Grundlage ein. Die Betroffenen waren dort über mehrere Wochen hinter vergitterten Türen und Fenstern eingesperrt. Unter Zwang mussten sie tägliche gynäkologische Abstriche über sich ergehen lassen und wurden dadurch Opfer sexualisierter Gewalt. Bis heute haben nur wenige Betroffene über ihre Erfahrungen gesprochen – nicht selten erschweren anhaltende Gefühle von Scham und Schuld sowie die Angst vor Stigmatisierung ihnen dies.
Da sich auch in Cottbus Betroffene befinden könnten, finden Sie nachfolgend den Aufruf des Verein Riebeckstraße 63 e.V.:

Zwangseinweisungen in sog. Tripperburgen der DDR


Zwangseinweisungen in geschlossene Venerologische Stationen (»Tripperburgen«) der DDR waren staatliches Unrecht. Nicht die betroffenen Frauen hatten Schuld, sondern der SED-Staat. Sind auch Sie betroffen? Dann haben Sie Anspruch auf Wiedergutmachung (Rehabilitierung), was auch bedeuten kann, dass Ihnen Ausgleichsleistungen zustehen.
Der Riebeckstraße 63 e.V. in Leipzig arbeitet die Geschichte der geschlossenen Venerologischen Stationen auf und ist die zentrale Anlaufstelle für betroffene Frauen. Wir bieten regelmäßig Erzählcafés an, bei denen Betroffene und Interessierte sich austauschen, helfen bei Recherchen und schaffen Öffentlichkeit. Wir sind dabei, eine Beratungsstelle und ein Archiv mit Zeitzeuginnen-Interviews aufzubauen.
Wenn Sie betroffen sind, können Sie sich an uns wenden. Wir hören Ihnen zu, unterstützen Sie bei der Einsicht von Akten und vermitteln Ihnen eine juristische Beratung oder ein psychosoziales Angebot. Auch Angehörige von Betroffenen können sich gerne an uns wenden.
Kontakt: Annkathrin