Bündnis Gleichstellung Lausitz: Länderübergreifender Austausch zum geschlechtergerechten Strukturwandel
Dass Strukturwandel in der Lausitz mehr sein muss, als Arbeitsplätze zu erhalten und die Wirtschaft zu stärken, ist das Anliegen des Bündnis Gleichstellung Lausitz. Die Region soll ein attraktiver Lebensraum für alle sein. Deshalb hat das Bündnis gemeinsam mit den Lausitzbeauftragten aus Brandenburg, Dr. Klaus Freytag, und Sachsen, Jörg Huntemann, den Austausch zum geschlechtergerechten Strukturwandel in der Lausitz fortgesetzt.
„Wenn man von einer Zukunftsregion spricht, muss man auch die Geschlechterfrage betrachten. Denn was ist eine Zukunft ohne Frauen“, fasste es Antonia Milbert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zusammen. Sie gehörte zu den Expertinnen und Experten, die den länderübergreifenden Austausch in Hoyerswerda mit fachlicher Expertise unterstützten. Besorgniserregend ist beispielsweise das starke Abwanderungsverhalten junger Frauen zwischen 18 und 25 Jahren zu Ausbildungs- und Studienzwecken. Vereinzelter Rückzug und Zuzug kann diese Abwanderung nicht kompensieren. Daneben sorgt die bisher zumeist einseitige Strukturförderung in Richtung Industrie für ungleiche Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse. Hier sei eine Wirtschaftspolitik notwendig, die auch Sozialwirtschaft, Kultur und Daseinsvorsorge einschließe, so Dr. Virginia Kimey Pflücke vom Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung (ZESTUR) an der B-TU Cottbus-Senftenberg.
Deshalb setzen sich die Gleichstellungsbeauftragten aus Südbrandenburg und Ostsachsen dafür ein, dass die bestehenden Ungleichverhältnisse von Geschlechtern nicht weiter fortgeschrieben werden. Sie überreichten den Lausitzbeauftragten einen „Gleichstellungs-Check“, der bereits frühzeitig in die Entwicklung der Projekte, die im Strukturwandel gefördert werden, einfließen soll.
Dr. Klaus Freytag und Jörg Huntemann sagten hierbei ihre Unterstützung zu. Es gehe darum, dass die Frage der Geschlechtergerechtigkeit bei der Projektentwicklung von Beginn an einfließt: Wie wirkt sich das Projekt auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus? Ist Teilhabe praktisch für alle möglich? Wie ist die Erreichbarkeit gewährleistet? Werden Frauen und Männer gleichberechtigt in Planung und Entwicklung einbezogen?…
Als Erfolg ihres beharrlichen Drucks auf die Politik freut sich das Bündnis Gleichstellung Lausitz, dass es ab sofort in den Werkstätten der Wirtschaftsregion Lausitz, in denen die Projektideen im Strukturwandel bewertet und für eine Förderung empfohlen werden, aktiv mitwirken kann.
Hintergrund:
Das Bündnis Gleichstellung ist ein Zusammenschluss von ostsächsischen und südbrandenburgischen, kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, die die in zwei Bundesländern geteilte Lausitz als eine Region betrachten und sich proaktiv in die Gestaltung des Lausitzer Strukturwandels einbringen. Seit 2021 setzt es sich länderübergreifend dafür ein, Gleichstellung sichtbar, verbindlich und zukunftsfest zu verankern. Gleichstellung ist kein „nice to have“, sondern Grundvoraussetzung für Demokratie, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kontakt für Rückfragen:
Bündnis-Sprecherin für Sachsen: Korina Jenssen, Kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hoyerswerda
Bündnis-Sprecherin für Brandenburg: Aline Erdmann, Kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Cottbus/Chóśebuz