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Bürgeranliegen zeigen, wo Teilhabe im Alltag noch an Grenzen stößt

Die Anliegen von Menschen mit Behinderungen sowie Seniorinnen und Senioren geben wichtige Hinweise darauf, wo im Alltag Barrieren bestehen und kommunaler Handlungsbedarf sichtbar wird. Darüber berichtet der Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Seniorenbeauftragte der Stadt Cottbus/Chóśebuz, Dr. Normen Franzke, am 02.09. im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Rechte für Minderheiten.

Die Themen, mit denen sich Bürgerinnen und Bürger an die Beauftragtenstelle wenden, sind vielfältig. Sie reichen von Barrieren im öffentlichen Raum und im öffentlichen Personennahverkehr über fehlenden bezahlbaren barrierefreien Wohnraum bis hin zu Fragen der Pflege, sozialen Sicherung, Mobilität und gesellschaftlichen Teilhabe.

„Hinter jedem Bürgeranliegen steht zunächst ein Mensch mit einem ganz konkreten Problem. Viele kommen nicht mit einer klaren Verwaltungszuständigkeit zu uns, sondern mit der einfachen Frage: Ich weiß nicht mehr weiter – können Sie mir helfen?“, beschreibt Franzke seine Erfahrungen aus der Beratung.

Vom E-Roller bis zum barrierefreien Wohnraum: Wie unterschiedlich die Anliegen sein können, zeigen aktuelle Beispiele.

  • So können falsch oder ungünstig abgestellte E-Roller für blinde und sehbehinderte Menschen, Rollstuhlnutzende oder ältere Menschen mit Rollator zu erheblichen Hindernissen werden. Aus einem zunächst einzelnen Hinweis entsteht damit eine grundsätzliche Frage: Wie können neue Mobilitätsangebote genutzt werden, ohne die selbstständige Mobilität anderer Menschen einzuschränken?
  • Besonders schwierig stellt sich auch die Suche nach bezahlbarem barrierefreiem Wohnraum dar. In der Beratung zeigen sich Situationen, in denen bestehende bauliche Barrieren die selbstständige Lebensführung von Menschen mit Behinderungen und ihren Familien erheblich erschweren. Geeigneter Wohnraum ist jedoch nicht immer verfügbar oder für die Betroffenen finanzierbar.
  • Auch bei Seniorinnen und Senioren geht es häufig um die Frage, wie vorhandene Unterstützungsangebote tatsächlich die Menschen erreichen. Cottbus verfügt über zahlreiche Beratungs-, Begegnungs-, Pflege- und Unterstützungsangebote. Gleichzeitig zeigt die Beratungspraxis, dass diese Angebote nicht allen Betroffenen bekannt sind oder die Orientierung im Hilfesystem schwerfällt.

 

Beraten, vermitteln und strukturelle Probleme sichtbar machen

Die Beauftragtenstelle ist keine Leistungsbehörde und ersetzt nicht die zuständigen Fachbereiche. Eine wesentliche Aufgabe besteht vielmehr darin, zuzuhören, Sachverhalte einzuordnen, zuständige Stellen zusammenzubringen und Bürgerinnen und Bürger durch teilweise komplexe Unterstützungsstrukturen zu lotsen. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, eine Lösung für einen einzelnen Fall zu finden. Wiederkehrende Bürgeranliegen können Hinweise darauf geben, dass ein grundsätzliches Problem besteht.

„Bürgeranliegen sind für mich ein Seismograf unserer Stadt. Sie zeigen sehr konkret, wo Teilhabe funktioniert und wo Menschen im Alltag noch auf Barrieren stoßen. Wenn aus vielen Einzelfällen immer wieder dasselbe Problem sichtbar wird, müssen wir irgendwann nicht mehr nur über den Einzelfall, sondern über die Struktur sprechen“, so Franzke. Die Erkenntnisse aus den Bürgerberatungen fließen deshalb auch in Stellungnahmen, Vor-Ort-Begehungen, die Arbeit des Beirates für Menschen mit Behinderungen und des Seniorenbeirates sowie in Gespräche mit Fachbereichen und weiteren Partnern ein.

Ziel bleibt es, Barrieren möglichst frühzeitig zu erkennen, Bürgerinnen und Bürger bei konkreten Problemen zu unterstützen und die Erfahrungen aus der Beratung für die Weiterentwicklung einer inklusiven und altersgerechten Stadt Cottbus/Chóśebuz zu nutzen.

Link: Überblick der Bürgeranliegen 01.01. bis 30.06.2026